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Wasserwerfende Journalisten und patroulierende Biergärten

Liebe Leser,

ich hoffe, ihr hattet allesamt schöne Ostern und seit wieder wohlbehalten vom Eier suchen zurück. Hier in Laos bin ich davon zum Glück verschont geblieben, dafür wurde am Wochenende ein anderes Festival gefeiert: Pii Mai Lao. Das ist eigentlich das buddhistische Neujahrsfest, das so ähnlich auch in Thailand, Burma und dem südchinesischen Yunnan gefeiert wird. Ursprünglich ging es bei diesem Fruchtbarkeitsritual darum, die Buddhastatuen zu waschen und sich in der angeblichen Trockenzeit (meiner Erinnerung nach hatte es allerdings weniger regnet, als ich das letzte Mal in der Regenzeit hier war) mit Wasser gegenseitig zu reinigen. Aus diesem reinigen hat sich mittlerweile eine landesweite, dreitägige Wasserschlacht entwickelt, von der auch ich nicht verschont blieb. Nachdem ich gestern praktisch alle meine T-Shirts und Hosen Nass gemacht habe, verschanze ich mich heute im Internetcafe, um wenigstens so lange trocken zu bleiben, bis ich meine anderen Kleider wieder anziehen kann. Wobei: so einfach machen es einem die Wasser werfenden Kinder auch nicht. Denn in dem Wasser befinden sich teilweise Eiswürfel oder Lebensmittelfarbe. So bin ich auch gestern überraschend durch einen vorbeifahrenden Lastwagen voller gröhlender Teenagers zu einem stolzen Besitzer eines gelben T-Shirts geworden. Macht nichts. Die Wasserschlachten machen eigentlich Spaß und bringen auch ein bisschen was ein, denn darüber sollte morgen in der baz ein Text von mir erscheinen. Mal schauen, ob das auch alles gut klappt...

Wie auch immer: Das Festival habe ich in Vientiane besucht. Dies, obwohl im nordlaotischen Luang Prapang eigentlich kulturell mehr losgewesen wäre. Hintergrund davon war, dass mit hier die laotische Reisebegleitung vom letzten Mail versprochen hatte, mit ein paar Studentenkollegen durch die Stadt zu heizen. Am besten sogar selber auf einem Truck. Geklappt hat’s nicht. Aber so war ich immerhin in einem Vorort von Vientiane bei der Familie zum traditionellen Abendessen eingeladen und habe dort ein paar spannende Sachen gehört. Diese Laotin hat ein monatliches Einkommen von 50 Dollar. Davon kann sie sich keine Wohnung leisten, deswegen wohnt sie gratis mit ihren Geschwistern und Cousinnen im Haus ihrer Tante. Das Holzhaus aus den 60er Jahren ist zwar geräumig, hat aber einen großen Nachteil: Es ist von Termiten befallen. Konkret heißt das, dass das Haus demnächst einmal einstürzen wird. Doch das sei nicht so schlimm, meinte die Frau: "Es fällt ja nicht alles gleichzeitig zusammen". Nun gut, als Gast im Haus ist das nicht gerade das, was man hören möchte. Interessant ist dort auch die Wasserzufuhr. Das WC wird mit Wasser aus einem Brunnen im Garten "gespült", während das Geschirr mit Wasser von der Leitung gewaschen wird. Da dieses Wasser jedoch nicht trinkbar ist, braucht es nun noch Trinkwasser. Das wird in Flaschen transportiert. Grund: "Früher haben wir das Leitungswasser abgekocht, aber wir haben feststellt, dass der Strom teurer ist, als das in 50-Liter Tanks gelieferte Wasser."

Hier noch etwas, was die Journalisten unter den Lesern interessieren dürfte. Heute Nachmittag hat mich ein laotischer Journalist zu sich nach Hause eingeladen. Er arbeite für eine Tageszeitung im Ressort Ausland. Da die Zeitung allerdings kein Geld hat, kann sie sich auch nicht die Newsticker der Nachrichtenagenturen leisten. Wie also kommen sie zu den Nachrichten? Seine Antwort: "Wir sind fünf Leute im Ausland. Einer schreibt die Nachrichten aus dem laotischen Radio ab und wir vier anderen übersetzen einfach je die Webseiten von den englischen, thailändischen, chinesischen oder französischen Zeitungen." Was sich allerdings auch in Laos nicht von der Schweiz unterscheidet ist, dass Journalismus auch dort nicht gerade das brotvollste Gewerbe ist. Der gute Mann lebt mit seiner Frau und seiner 18-Monatigen Tochter in einem Gebiet, das ein paar Stunden zuvor jemand als "Slum von Vientiane" bezeichnet hat. Wobei so schlimm ist es gar nicht: die Leute haben fließendes Wasser und Strom; und die kleinen Holzhütten mit ihren zwei Zimmern bieten zwar keinen Luxus, aber immerhin ein wasserdichtes Dach über dem Kopf. Nicht zu vergessen, dass diese Wohnungen gratis sind: Da es in Laos ja nur Staatsmedien gibt, sind Journalisten auch Beamten und haben somit Anrecht auf eine Beamtenwohnung. Tja, so gut sollten wir es bei uns auch mal haben!

Am Abend bin ich mit ihr dann noch mit meiner oben erwähnten laotischen Reisebegleitung in einen Biergarten gefahren. Auf dem Rückweg ist sie (vermutlich ein bisschen angetrunken, aber beim laotischen Fahrstil kann es mit Alkohol eigentlich nur sicherer werden) mit dem Motorrad und mir hinten drauf über ein Rotlicht gefahren. Flugs wurde sie dabei von der Polizei erwischt. Sie war aber klug und sagte zum Mann in Grün: "Sorry ich habe meinen Ausweis und mein Geld zuhause vergessen. Ich kann daher nur etwa 2 Franken Busse bezahlen." Dann diskutierten sie eine Weile hin und her. Schließlich ließ uns der Polizist weiter fahren. Das war Glück, denn als sie dies das letzte Mal gemacht hatte, nahm der Polizist dieses Geld – allerdings ohne Quittung...

So, nun heißt es bei mir mal wieder in Richtung Bett zu gehen. Euch wünsche ich noch ein schönen postosterlichen Dienstagmorgen,

Oliver

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An Pii Mai wird man schon mal nass...

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Vater rüstet Sohn für Wasserschlacht aus

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Grosses Kaliber für Pii Mai...

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In den Tempeln gehts beschaulicher zu

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Das Haus mit den Termiten