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Klebrige Grenzübergänge und schreiende Englischlehrer

Liebe Freunde,

nach fast zwei Wochen im Norden von Vietnam, bin ich nun in Nanning, der Provinzhauptstadt von Guangxi in Südchina angekommen. Doch davon später.

Mit meiner Reiseberichterstattung bin ich nun in einer etwas schwierigen Situation: Eigentlich würde ich Euch gerne viel von Vietnam erzählen, aber ehrlich gesagt, war ich fast zu kurz da, um wirklich etwas von der Sache zu verstehen - und wohl auch zu kurz, um mich so anzuklimatisieren, dass ich das Land wirklich zu schätzen lernte und (wie bei seinen Nachbarn) sobald ich die Grenzen hinter mir gelassen habe, überlege, wohin ich das nächste Mal will. So war es in Vietnam nicht, dabei war der Anfang sehr hoffnungsvoll. Zusammen mit Sabine, der Schweizer Reisebegleitung, die ich nun schon mehrmals erwähnt habe, sind wir bei Nakeo über die Grenze. Das ist ein kleiner Übergang im Nordosten Laos, der erst vor rund einem Jahr für Ausländer geöffnet wurde. Die meisten Touristen wissen noch nicht, dass sie hier durch können. An der Grenze haben die Vietnamesen alles genau wissen wollen: "Aus welchem Land kommen Sie? Wie lautet ihr Name?" Dabei hat der gute Mann immer ganz wichtig im Pass rumgeblättert. Keine Ahnung, ob er nicht lesen konnte, oder so rausfinden wollte, ob ich weiß, wie ich heiß. Wie dem auch sei, nachdem ich sein Kreuzverhör überstanden habe, gab er mir dem Pass mit den Worten zurück: "You are very handsome boy!" Und wie ich mich da gefreut habe! Ein ähnliches Kompliment kam übrigens im Bus nach Hanoi (der Fahrer wollte ein Foto von mir) und in Form eines kleinen Übergriffs auch auf dem WC eines Busstops unterwegs. Gut zu wissen, dass ich für Vietnamesen über 40 attraktiv bin. Aber das ist ein anderes Thema...

Ankunft in Hanoi mitten in der Nacht, alles okay. Am nächsten Morgen der Schock: Die Luft klebt im Gesicht, der Verkehr ist noch schlimmer als in Italien (also eigentlich unschlagbar) und an allen Ecken hängen Männer auf ihren Motorrädern, die ihre Dienste als Taxifahrer anpreisen wollen. Sie sind noch klebriger als die Luft. Kaum jemand lächelt einen an und das freundliche Sabaidee, das man sich gewohnt ist, wenn man aus Laos kommt, sucht man hier vergeblich - und dies nicht wegen der Sprachgrenze. Trotzdem: Schöne Begegnungen gibt es. Im Ethnologie Museum hat mich eine Studentin geschnappt und wollte mir die ganze Ausstellung erklären, um ihr Englisch ein bisschen zu verbessern. Weil ich mit ihr nett geredet habe, auch viel von der Schweiz erzählte habe und vielleicht nicht nur für 40-jaehrige Männern, sondern auch für 18-jaehrige Mädchen attraktiv bin, hat sie mich zusammen mit ihrer Freundin auch gleich noch zum Abendessen eingeladen. Na ja, wenigstens war das lustig und ich habe leckeres Essen entdecken können. Nachdem Essen haben wir uns irgendwie verloren und leider konnte ich mich mit einer Einladung meinerseits nicht mehr revanchieren.

Um dem Lärm, der Hitze und dem Dreck der Großstadt zu entfliehen, habe ich mir eine Tour in die Halong Bucht gebucht und zwar mit Kim Travel Cafe. Es hieß, dass wir drei Tage mit einem Boot rumsegeln - Segel habe ich zwar keine gesehen, aber immerhin war es ein Schiff. Bemerkenswert ist in Vietnam das Reisetourenwesen und viele Touristen schimpfen darüber. So sind die Ausflüge fest in der Hand von ein paar wenigen Reisebüros. (So ist zwar die ganze Stadt mit Reisebüros übersäht, aber wer genau hinschaut sieht, dass es immer wieder die gleichen Namen sind.) So kann man zwar sehr günstige Touren buchen, aber selber organisieren ist sehr schwer und die Klagen von Mitreisenden, wie sie von den Reisebüros mit Falschinfos versorgt wurden, häuften sich so in meinen Ohren, dass auch bald der Straßenlärm und das immerwährende Gehupe nicht mehr durchdringen konnte. Wie auch immer: die Touropperator haben ihre Touren bis aufs Detail durchgeplant. Da ist es nicht möglich, dass man mal statt genau 20 Minuten ein bisschen länger badet, weil es gerade so schön ist. Als unsere ganze Reisegruppe an einem Morgen geschlossen fünf Minuten zu spät (und nach drei Anrufen aufs Zimmer) zum Frühstück erschienen ist, bekam der gute Führer einen Wutanfall und schrie uns richtiggehend an: Ihr kommt immer zu spät, ich weiß nicht wieso ihr nicht ein einziges Mal pünktlich kommen könnt. So schwer ist das doch nicht!

Wie gesagt, inzwischen bin ich in Nanning und hier ist es recht kühl. Nach Hanoi bin ich froh, dass ich nun einen Pullover brauche. Heute habe ich einen chinesischen Englischlehrer kennen gelernt. Er sagt, er arbeite als freier Englischlehrer und er unterrichte nur hübsche Chinesinnen. Und tatsächlich waren schon ein paar Minuten später zwei Chinesinnen zur Hand, die er unterrichtet und die mit mir Englisch üben wollten. Die haben mich dann zum Essen eingeladen: McDonalds. Tja, offenbar hat Hanoi eben doch seine Vorzüge, aber die erkennt man erst, wenn man wieder weg ist.

Liebe Grüsse,

Oliver

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Halong ist die Hauptsehenswürdeigkeit im Norden

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Schwimmende Kioske im Halong Bay

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Höhle im Halong Bay

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An einem der Strände in Nordvietnam

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Pagode am Westsee von Hanoi

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Im Literaturtemple