Reisetips, Reiseberichte und Reiseinformationen zu Japan, China, Korea, Indien, Iran und weiteren Ländern.

China 2003

5. August 2003; Hustenfreie Kreuzfahrten und klimatisierte Shaolinkämpfer

Geneigte Leser,

in meinem letzten Mail habe ich Euch eine gewisse Überraschung versprochen. Hier habt ihr sie nun: nach dem letzten Mail habe ich den Nachtbus nach Kobe genommen und bin von dort mit der Fähre nach Shanghai gefahren. Ich muss gestehen, dass die Fähre viel besser war als ich es mir vorgestellt habe. Ich erwartete, dass ich auf dem Deck schlafen müsste, aber es gab nicht nur richtige Betten, sondern auch ein Restaurant (wie dumm, dass wir uns für die Dreitagesfahrt mit Instantnudeln eingedeckt haben!), ein Spielcasino und eigentlich auch alles andere, was man von „Traumschiff“ oder „Loveboat“ her kennt. Ich Habe mich allerdings in den drei Tagen zu Tode kartengespielt und weiß nun endgültig, dass Kreuzfahrten nicht das Richtige für mich sind.

Ankunft in Shanghai: die chinesische Luxusmetropole im Fernen Osten! Die Glitzerpromenade Shanghais nennt sich "Der Bund" und ist der Ort für verschiedenste chinesische Spielfilme. Mittlerweile ist die Uferstrasse, wie auch die ganze Stadt, mit Werbung voll gestopft (Erstaunlicherweise kein einziges Coca-Cola Banner). An allen Ecken blinken die Neonlichter, in der Ferne ist der seltsame Turm beleuchtet, die Obdachlosen warten geduldig vor den trinkenden Leuten, um das Depot für die Petflaschen zu kassieren. Daneben dröhnt ein DVD-Shop, der bereits Terminator 3 zu einem Preis anbietet, für den man zu Hause nicht einmal eine leere DVD bekäme. China!

In Shanghai blieb ich allerdings nur eine Nacht. Schon bald ging es im modernen klimatisierten Doppelstöckerzug nach Nanjing. Und bereits hier fiel mir auf, dass China sich in den letzten Jahren nochmals gewandelt hatte (oder bin ich bloß in einer anderen Region?). Die Leute zupfen nicht mehr an meinen Haaren, starren mich nicht mehr stundenlang in einem Zug an, das Ticket wird pro Fahrt bloß noch einmal kontrolliert und vor allem spucken die Leute kaum mehr. Noch vor zwei Jahren hörte man auf einem normal besiedelten Platz alle Sekunden jemand den Schleim hoch ziehen, nun nur noch all paar Stunden. Ob SARS vielleicht nicht doch mehr als bloß eine Geißel für China war?

In Nanjing angekommen ging ich einer meiner Lieblingsbeschäftigungen nach: ich besuchte ein Genozid-Denkmal. Diesmal wurden die Japaner dafür angeklagt, dass sie Chinesen im Zweiten Weltkrieg niedergemetzelt haben. Wie in solchen Fällen üblich, konnten sich die Betroffenen nicht auf eine Zahl an Opfern einigen; aber immerhin steht am Eingang in großen goldenen Lettern die Zahl 300 000 - und wer will schon an dem zweifeln, was goldig auf Grau steht. Unabhängig davon, ob die Zahl stimmt oder nicht, so ist doch die recht extreme Sprache auffällig, mit der die ausgestellten Skelette und andere Exponate beschriftet waren. Da ist von den japanischen Bestien die Rede und so weiter... Kein Wunder also, dass Japaner noch immer mit sehr gemischten Gefühlen in China willkommen geheißen werden. Allerdings scheint sich auch das ein bisschen verändert zu haben. Immerhin hat noch niemand Mio verweigert, etwas zu verkaufen, nur weil sie aus Japan kommt.

 Vielleicht liegt es auch daran, dass durch die ganze Sars-Epidemie der Tourismus hier ziemlich zusammen gebrochen ist und die Verkäufer sich nicht mehr jeden Stolz leisten können, wer weiß? Tatsache ist jedoch, dass sich noch kaum Touristen nach China wagen, obwohl es schon seit einiger Zeit wieder von der WHO-Gefahrenliste genommen worden ist. Auch scheinen die Leute sich nicht mehr groß zu sorgen: ich habe noch niemanden mit einer Atemmaske gesehen. (Anders in Tokyo, wo immer mal wieder Atemmasken in der U-Bahn auftauchen. Allerdings angeblich aus anderen Gründen).

 Von Nanjing ging’s weiter nach Luoyang. Hier befindet sich das berühmte Shaolinkloster. Das ist der Ort, wo Kong Fu herkommt, ich habe das zumindest so verstanden. Da wir sehr spontan hierher abreisten und Mio es wichtiger fand, dass ich mit ihrer Familie Karaoke singe als dass wir einen brauchbaren Reiseführer kaufen, irren wir nun ziemlich in der Gegend herum, was auch persönlich immer wieder zu großen Spannungen führt...

 Wie die Reise weiter geht, das weiß ich noch nicht. Aber da wir schon ganz in der Nähe sind besteht die Chance, dass wir uns die bekannteste Baustelle Chinas anschauen: den Drei-Schluchten-Damm...

 In dem Sinne wünsche ich Euch noch eine schöne Zeit zuhause und bis bald,

Oliver

 

12. August 2003; Runzlige Geisterstädte und korrupte Schluchten

Liebe Alle,

 ich habe im letzten Mail angetönt, dass ich auf dem Weg zur größten Baustelle Chinas sei. Diese habe ich nun hinter mir gebracht und bin nun bereits in Chengdu, der Hauptstadt des Landes der lächelnden Pandas.

 Mit der größten Baustelle ist, wie wohl einige bereits ahnten, der umstrittene Drei-Schluchten-Damm gemeint. Dieser Damm, der in ein paar Jahren fertig sein soll, wird den Yang-Tse um 175m stauen und den weltweit größten Stausee bilden. Dass dabei einiges überschwemmt wird, ist klar. Man spricht davon, dass beinahe zwei Millionen Chinesen in den Gebieten wohnen, die bereits geflutet worden sind oder noch werden.

 Entsprechend war der Focus meines Sightseeings wohl auch ein bisschen anders ausgerichtet. In Yichang, einer gesichtslosen Großstadt knapp unterhalb der Baustelle, habe ich eines der Touristenboote nach Chongqing genommen. Alle anderen Touristen auf dem Seelenverkauefer, der übrigens mehr einer Baustelle glich als der Damm selber, waren Chinesen. Sie sind wohl gekommen, um sich von der viel besungenen Landschaft noch das anzusehen, was noch übrig geblieben ist. Dass so viele mit Chinesen voll gestopfte Schiffe den Fluss rauftuckerten, hat mich dann doch ein bisschen erstaunt: denn ich kannte den aktuellen Wasserstand noch nicht, als ich das Ticket kaufte. Die Einheimischen im weitesten Sinne hätten das aber eigentlich wissen sollen. Die Überraschung war also groß, als wir die halbe Nacht in einer riesigen Schleusenanlage verbrachten und noch viel größer als wir am nächsten Morgen am Ufer ablesen konnten, dass nur noch etwa 20 Meter fehlen. Am ganzen Fluss waren! nämlich große Tafeln angebracht, die zeigen sollen, wie hoch das Wasser noch steigt. Entsprechend entpuppten sich die engen Schluchten auf den Fotos als breite Seen, die zwar durchaus auch reizvoll waren, aber sicherlich nicht als eine der Haupttouristenattraktion Chinas gelten kann.

 Entlang am Ufer waren dann auch immer mal wieder Häuser, die noch halb aus den brauen Fluten rausragten. Ganze Städte, die abgerissen und ein paar Meter weiter oben wieder aufgebaut werden. Am eindrücklichsten fand ich eine Stadtnamens Fengdu. Sie birgt eine Touristenattraktion, die sich Ghosttown nennt. Damit ist eine etwas komische Mischung aus einer alten Stadt und einem modernen Unterhaltungspark gemeint, was all ganzes eigentlich mehr an eine Geisterbahn erinnerte als an etwas ernst zu nehmenden.  Doch neben der offiziellen Ghosttown gab es noch zwei weitere: Old Fengdu, dessen fensterlose (sie sind wohl herausgerissen worden, um das Glas wieder zu verwenden) Plattenbauten darauf werden, bald vollständig abgerissen zu werden. Zwischen den Trümmern spielten Kinder während ihre Eltern versuchten, den vorbeilaufenden Touristen Getränke oder Früchte zu verkaufen. Gegenüber, auf der anderen Flussseite, befindet sich New Fengdu. Es ist eine der vielen Seelenl! osen Großstädte in China. Moderne Gebäude, ohne jeden Sinn für Ästhetik und vielleicht noch hässlich, als die Steinhaufen auf der Seite der alten Stadt. Über den Fluss gesehen, kann man keine Menschen in den Strassen sehen - vermutlich sind die Leute noch nicht in die neuen Gebäude eingezogen, die alle fein säuberlich einen 20m Abstand zum Wasserpegel haben.

 Wie bereits erwähnt, ist das Projekt sehr umstritten. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen die hohen sozialen Kosten, die mit der Umsiedlung so vieler Menschen verbunden sind. (In einer ZDF-Sendung habe ich einmal gesehen, dass die Bauern nicht umziehen wollten, weil das Land, das sie zur Entschädigung bekommen sollten, nichts wert sei.) Umweltschützer warnen davon, dass der Stausee zur groessten Open-Air-Toilette werden könnte. Wieder andere warnen vor der Katastrophe, die passieren würde, falls der Damm bei einem Erdbeben, bei einem terroristischen Anschlag oder einfach wegen Baufehler (Korruption scheint ein großes Problem zu sein. Ich glaube mich erinnern zu können, gelesen zu haben, dass an die 1000 Personen schön wegen Korruption bei diesem Projekt verhaftet worden seien) bersten würde. Immerhin sei, laut der Infobox im Lonely Planet, ein derartiger Unfall bereits vor rund 30 Jahren geschehen, der viele Todesopfer gefordert habe und bis heute von der Reg! ierung verheimlichst werde. Tatsächlich sind die offiziellen chinesischen Statements zur Sache ein bisschen eigenartig. In einem Tempel (zu deutsch etwa der Weiße Kaisertempel), der zu einem Teil überschwemmt wird, ist in allem Ernst eine Tafel angebracht, welche die Vorzüge anpreist, die es hat, wenn der Tempel verschoben wird: der Berg werde zu einer Insel, was sowieso schöner sei; die alte Stadtmauer könne so restauriert werden (und, was aber nicht erwähnt wird, an einem historisch komplett falschen Ort errichtet werden); zudem können nun die Besucher durch einen Unterwassertunnel zum Tempel gelangen und müssen nicht mehr 200m auf den Berg klettern... Naja, das moderne China hat halt überhaupt kein Gespür für Authenzitaet - aber das habe ich ja schon vor zwei Jahren beklagt...

 Ansonsten habe ich allerdings eine gute Zeit hier. Ich habe mich mit billigen Raub-DVD eingedeckt - die sind hier billiger als eine leere CD zu Hause. Nun wohnen wir in einem Guesthouse in Chengdu, das sogar einen Fernseher mit DVD-Player hat. Hier schauen wir den ganzen Tag Filme und erholen uns ein bisschen bevor es Richtung Tibet weitergehen soll...

 Übrigens hatte ich vorhin eines meiner schockierendsten Erlebnisse auf dieser Reise: ein alter Chinese (er war qi-shi-ba, also 78 Jahre alt) hat Mio gefragt, wie alt ich sei. Sie meinte, er solle schätzen. Woraufhin der gute Runzelmann doch tatsächlich meinte: lio-shi, also 60 Jahre...

 In dem Sinne,

Liebe Grüsse vom alten Knacker...

 

29. August 2003: Mingwohnungen und historische Polizeiflaggen

Hallo zusammen,

 immer wieder ist es erstaunlich, wie sehr sich Reisen über längere Zeit in klar trennbare Abschnitte unterteilen lassen. Noch erstaunlicher ist, wie oft solche Abschnitte in etwa mit meinen Massenmails übereinstimmen. Gewiss ist dies nicht bloß Zufall, doch manchmal liegt einer solchen (vermutlich unbewussten) Einteilung vielleicht eine tiefere Ahnung zu Grunde.

 Nun bin ich in einem neuen Reiseabschnitt, der damit begann, dass ich mich am Morgen, nach dem ich das letzte Mail losschickte, von Mio trennen musste. Ihr Weg führte sie nach Laos und Thailand und meiner zurück nach Peking und schließlich Korea, wo ich mich nun befinde.

 Vom Chengdu, wo wir uns verabschiedeten, reiste ich zuerst nach Xi'an und von dort ziemlich direkt nach Pingyao weiter. Das ist eine kleine Stadt in der Nähe von Peking, die ich allen Chinareisenden sehr empfehle. Bisher hatte ich nämlich immer geglaubt, dass es im Han-China keine schönen Städte mehr gebe, weil die Han-Chinesen in ihrer unheilbaren Modernisierungswut alle alte Kultur zerstören (jaja, ich weiß, hier kommt der Historiker in mir zum Vorschein!). Aber nein, Pingyao ist tatsächlich eine vollständig erhaltene Stadt aus der Mingzeit. Und innerhalb der Stadtmauern gibt es kein einziges modernes Haus. Entsprechend wird die Stadt auch von Horden chinesischer Touristen heimgesucht und dient überdies auch immer wieder als Filmkulisse für die vielen historischen TV-Serien, die ständig auf den unzähligen Fernsehsendern Chinas flimmern.

 Übrigens: entsprechend den vielen Sendern, muss natürlich auch das Programm irgendwie gefüllt werden. So sieht man an allen Ecken immer wieder Fernsehteam. Eines von ihnen (Peking 7) hat mich sogar gefragt, ob es mich filmen dürfe, wie ich mit einem Handy durch die Innenstadt Pekings laufe. Tja, nun war ich also wohl sogar im chinesischen Fernsehen zu sehen; und da die Flimmerkisten immer und überall laufen, war ich nun wohl auch schon in Millionen Haushalten. 

 Von Pingyao zog es mich nach Peking, wo ich ausgiebig die hiesigen Wohnverhältnisse studieren durfte, da ich privat unterkam. Das ist in der Tat recht spannend. Traditionellerweise wohnten die Pekinger in den so genannten Hutongs. Das sind einstöckige Häuser in kleinen Gassen. Von den Gässchen kommt man in einen Innenhof, welchen sich mehrere Familien teilen. Eine solche Wohnart birgt natürlich eine handvoll Probleme. Zum einen sicherlich, dass die Häuser über keine Toiletten verfügen und die Leute in eines der öffentliches WCs gehen müssen (die man allerdings in diesen Gässchen alle paar Meter findet). Zum anderen ist auch die Wohnfläche sehr begrenzt. Aus diesen Gründen ist es eines der Ziele der Regierung, die Leute aus ihren Hutongs zu "befreien" und in moderne Wohnungen umzusiedeln. Entsprechend wandelt sich das Stadtbild in Peking rasend schnell: aus kleinen Gassen werden breite Autostrassen und Boulevards, aus Häuschen mit Innenhof werden riesige Betonklötze. Was die Regierung als Erfolg preist, halten Denkmalschützer für ein großes Desaster. Wie auch immer man über solche Modernisierung denken mag, was jedoch Leute, die von solchen Wohnungen in moderne umgezogen sind, betonen ist, dass die ganze Siedlung fast wie eine große Familie sei. Denn man sei sich eben schon recht nahe in solchen Wohnungen.

 Ich wohnte allerdings in einer modernen Wohnung aus der Deng Xiao Ping Zeit. Ich fand die architektonische Ähnlichkeit zur Sowjetarchitektur während der Chruschtschow-Zeit erstaunlich. Offenbar haben Politik und Architektur doch ihre Gemeinsamkeiten.

 Doch trotz aller Modernisierungen der 80er Jahre haben sich Elemente der Hutong Kultur (wenn ich das einmal salopp so nennen darf) in den neuen Wohnblöcken erhalten. Dafür, dass ich im fünfzehnten Stock (eines achtzehnstöckigen Gebäudes) wohnte, war ich doch sehr überrascht, wie gut die Nachbarn sich kannten und teilweise auch offensichtlich gute Beziehungen hegten. (Zum Beispiel kam auch einmal das Nachbarmädchen mit, als ich von meiner Gastfamilie zu einem chinesischen Fondue eingeladen worden war).

 Woran das liegt, wird ersichtlich, wenn man ein paar Tage in einem solchen Haus lebt. Dort besteht noch immer eine gewisse Nähe, da man sich an vielen Orten ständig begegnet: im Lift, wo man den aktuellen Klatsch mit der Frau von ersten Stock austauscht (sie ist das Liftgirl), oder beim Briefeholen (das Haus hat einen eigenen Portier, der alle Post in Empfang nimmt. Kommt was Dringendes wird der Namen auf eine schwarze Tafel beim Eingang geschrieben, sonst holt man die Post einfach einmal am Tag unten ab.), beim Einkaufen (unterhalb des Hauses gibt es einen Supermarkt, wo sich die Leute kennen. Auch mich kannte man dort schon ab dem zweiten Tag - und weil ich dort immer den gleichen leckeren Lemontea kaufte, brachten mir die Angestellten bald mein Wunschgetränk, ohne dass ich etwas sagen musste. Vermutlich reden sie sich noch immer den Mund wund über den komischen Ausländer, der immer Eistee und M&Ms kaufte) oder beim gemeinsamen Karten oder Mae-Jong ! spielen. (Karten und Mae-Jong trifft man in China an allen Ecken. Oft spielen vier Leute und etwa zwanzig stehen drum rum und schauen dem Spiel zu. So wissen vermutlich bald alle Nachbarn voneinander, wer ein guter Spieler ist und wer nicht.)

 Doch China und Peking ist natürlich nicht nur Spiel, Spaß und gute Nachbarschaft. Immer wieder trifft man auch jenes strenge Polizei-China, als das wir uns das Reich der Mitte zuhause gerne vorstellen. Nach einem Ausflug nach Chengde (der kleine Potala dort ist übrigens sehenswert), kam ich sehr früh am Morgen in Peking an. Um diese Zeit liegt es nahe, entweder sofort ins Bett zu gehen, oder auf den TianAnMen-Platz zu fahren und dort dem chinesischen Nationalismus zu frönen. Denn dort wird mit viel Pomp jeden Morgen bei Sonnenaufgang die chinesische Flagge gehisst. 

 Was mich dort erwartete: ein riesiges Polizeiaufgebot, um auf dem großen Platz Randale zu verhindern. Man könnte glauben, dass die Polizei fürchtet, dass es in der Volksseele brodelt. Doch, so erklärt mir meine chinesische Begleitung, seien die meisten Leute einfach auf der Suche nach einem feierlichen Augenblick, und wollen ihre Vaterlandsliebe ausdrücken. Allerdings, so betont meine Begleitung weiter, sei es hier bei dem riesigen Polizeiaufgebot wirklich schwierig, in eine feierliche Stimmung zu kommen. Überall werde man bloß rumkommandiert und schikaniert.

 Tatsächlich erlebte auch ich das ganz ähnlich. Nicht, dass ich wirklich gekommen bin, um meine Liebe zu China auszudrücken. (Mir gefällt das Land im Allgemeinen zwar, aber...) Doch auf der Strasse stehend, wurde ich unsanft darauf hingewiesen, dass ich hinter dem Gitter sein müsse, obwohl es dafür keinen Grund gab. Alle zwanzig Meter ein Polizist, der für eine seltsame Ordnung sorgen musste. Dazwischen Militär und Zivilpolizisten, die man bloß an den Funkgeräten erkannte.

Wie ich mich der Polizei widersetzte, (ich fand, dass mir der Polizist schon auf Englisch mitteilen solle, wenn er wirklich will, dass ich ihm gehorche. Hat natürlich nicht geklappt, die Pfeife ist natürlich nicht wegen eines übermassigen sprachlichen Talentes zur Polizei gegangen.) verwandelte sich der große Platz in meinen Gedanken plötzlich in ein Blutbad. Aufs Mal konnte ich verstehen, wie sich ein Massaker wie das, welches hier vor Jahren stattgefunden hat, provoziert werden und niedergeschlagen werden konnte. Und mir wurde auch klar, dass das morgendliche Hissen der Fahne wohl der Ort ist, an dem man am leichtesten seine Zuneigung zu China verliert. Zum Glück bleiben noch viele andere Erinnerungen...

 In dem Sinne,

liebe Grüsse aus Korea...

Oliver

 

Reisebericht t China Peking Beijing chinesische Reiseberichte Bilder Reisetipps Najing Luoyang Shaolin Chengdu Sichuan Schiffreise China

Von Kobe nach Shanghai

Sonnenuntergang auf dem “Loveboat”

Ankunft in Schanghai

Kampf gegen Sars...

Völkermordmahnmal (Nanjing)

Markt in Luoyang

Auf dem Yang-Tse

Einkaufen auf dem Schiff...

Eine der drei Schluchten...

Das Wasser des Yang-Tse steigt...

Mio (last photo - Chengdu))

Lokaler Transport (Pingyao)

Pedallofahrt(Chengde))

Freunde in Peking