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Hallo Leute,

schon wieder gab es ein Erdbeben hier und das hat mich erinnert, dass mal wieder Zeit ist, Euch von meinem japanischen Leben zu erzählen. Das Beben gestern früh hatte eine Stärke von 6,2 in seinem Epizentrum in Chiba (Nachbarprovinz von Tokyo), aber es hat auch hier noch eindrücklich gewackelt, wenngleich mir von Einheimischen versichert wurde, dass das nicht so stark gewesen sei. Die Nachrichtenagentur Reuters schreib dazu allerdings, dass es das stärkste Beben in Tokyo seit 5 Jahren gewesen sei. Nun bin ich natürlich verunsichert, wem ich glauben soll, denn seit der Lektüre eines sehr spannendes Buches (Dogs and Demons von Kerr ) weiß ich, dass in Japan nicht nur im Alltag eine Art Orwell’sches Double-think herrscht, sondern dieses System auch in den Massenmedien so stark verbreitet ist, dass Japan auch ohne eigentlich Zensur auskommt. Das will ich hier allerdings nicht weiter ausbreiten, da man das besser fundiert und auch ausführlicher im oben genannten Buch nachlesen kann.

Was ist hier seit dem letzten Mail passiert? Eigentlich nicht so viel, das ist wohl auch der Grund, wieso ich nicht geschrieben habe. Letzte Woche war ich eine Woche in Kyushu. Das ist die japanische Südinsel und habe dort die Sonnenseite der Kräfte besucht, welche auch die Beben verursacht: in Beppu habe ich ein paar Onsen besucht. Wie ihr vielleicht wisst, sind Onsen heisse Thermalquellen, in denen man baden kann. In der Stadt Beppu wird allerdings der Begriff nochmals unterteilt in Quellen in denen man baden kann und solchen in denen man selbst gleich zu einem Yakiniku gebraten würde. So ist zum Beispiel das Wasser in der Quelle namens „Seehölle“ immerhin 98°C warm, wenn es an das Tageslicht sprudelt. Um die Hitze noch ein bisschen anschaulicher zu machen, sind ein paar kluge Stadtvermarkter auf die Idee gekommen, vor den Touristen Eier im sprudelnden und dampfenden Wasser zu kochen. Daneben ist dann auch gleich der Blutonsen, der wegen des Eisengehalts im Boden Wasser von einer Farbe ausspeit, das problemlos für das Piranhabecken in diesem James Bond Streifen hätte hinhalten können. Wieder daneben ist ein Geysir, der ziemlich genau alle 30 Minuten Wasser ausspeit. Da jedoch die ganze Quelle ziemlich umbetoniert worden ist, lässt sich meiner Meinung nach auch nicht ausschließen, dass nicht irgendwo ein großer Wasserhahn mit Zeituhr angebracht, damit das Geld auch dann noch fließen kann, wenn das Wasser nicht mehr fließt. Diese Vermutung wurde allerdings vor Ort nur belächelt und nicht einmal ernsthaft zu widerlegen versucht.

An nächsten Tag bin ich dann auf den Gipfel des Bergs Aso gefahren – in eine unwirkliche Vulkangegend. Aso ist einer der weltweit grössten Vulkane, die heute noch aktiv sind und die es bisweilen auf Touristen abgesehen haben: so sind vor rund 10 Jahren ein paar Leute bei einer spontanen Eruption umgekommen, ein anderes Mal sind 30 Wanderer in einer giftigen Schwefelwolke erstickt. Entsprechend wurden die Sicherheitsvorkehrungen, die in Japan ohnehin allgemein schon läppisch genug sind, noch weiter ins Exzessive getrieben. Der ganze Gipfel ist mit Betonbunker versehen, die so ein bisschen nach Vulkanakne aussehen. Da diese Bunker jedoch nicht verschliessbar sind noch eine eigene Sauerstoffzufuhr haben, lässt sich fragen, in welchem Fall diese Dinger wirklich etwas nützen sollen. Aber genau das darf man sich nicht fragen, das weiss ich als Zivilschützer im Kader (gibt nichts unten dran) nur zu gut. Auch in der Schweiz werden einfach Millionenbeträge für irgendwelche imaginären Sicherheitsbedürfnisse in der Erde verbuddelt, deren einzige Sicherheit es wohl ist, der Baubranche ein Einkommen zu verschaffen. Was in der Schweiz gang und gäbe ist, hat in Japan jedoch noch einen weiteren Grund, denn die Baubranche ist in Japan ohnehin das Sorgenkindnummer eins: denn anders als in den europäischen Ländern, wo für solche Arbeiten Ausländer importiert wurden/werden, tun das in Japan die schlecht ausgebildeten Japaner selbst, die in keinem anderen Erwebszweig unterkommen können. Soll also keine grosse Massenarbeitslosigkeit eintreten, muss die Baumaschinerie aufrecht erhalten werden und das Land fleissig weiter zubetoniert werden (in welchem Masse das geschieht und mit welcher Fantasie Sicherheitsbedürfnisse erfunden werden, hat der japanische Fotograph Toshio Shibata dokumentiert. Ich werde ihn übrigens am Samstag interviewen gehen.) Die Gefahren, die daraus entstehen, wenn der Baumarkt zusammenbricht – was teilweise seit dem Platzen der Wirtschaftsseifenblase in den 90er geschehen ist – zeigt sich in den öffentlichen Pärken von Tokyo und Osaka, wo sich die früheren Bauarbeiter wieder treffen und in kleinen Kartonschachteln WGs bilden. Teilweise verkaufen diese Obdachlosen seit gut 2 Jahren auch ein japanisches Surprise. (Dazu habe ich auch einen Artikel geschrieben, der demnächst erscheinen sollte. Ich gebe Euch dann die Daten noch bekannt).

Seit gut einer Woche bin ich von diesem Trip wieder zurück und geniesse den kalten Regen, nachdem es nun mehrere Tage ziemlich warm war. Am Freitag bin ich dann als offizieller Medienvertreter der Aargauer Zeitung zur EXPO in Nagoya eingeladen. Ich bekomme dort eine ganze Seite, muss aber unter extremem Zeitdruckarbeiten. Ich habe eigentlich nur die Zeitverschiebung zur Verfügung. Sollte ich nicht ganz versagen, ist das am kommenden Samstag drin. So, nun ist langsam Abendesszeit?

Bis bald,

Oliver

 

Onsentour in Beppu

Blutonsen in Beppu

heisseste Thermalquelle in Beppu

In diesem Onsen in Beppu kann man Eier kochen...

Wildwest in Japan

Unterwegs zum Berg Aso

Giftige Dämpfe am Aso

Blick in den Krater

Sicherheit am Aso Yama

Schutzräume am Krater des Aso

jp17

Am Strand bei Fukuoka...