Reisetips, Reiseberichte und Reiseinformationen zu Japan, China, Korea, Indien, Iran und weiteren Ländern.

Panajachel, 29.9.98

 Seid gegrüsst!

 Ich befinde mich nun in Panajachel, einer Hippieenklave am wunderschönen Lago Atitlan in Guatemala. Leider ist hier und heute mein Fotoapparat ausgestiegen, so dass es nur für mich und nicht für euch schön ist. hihihi!
Das ultimative Ereignis ist wohl, dass ich nun kein Gepäck mehr habe und mir zwangsläufig ein paar Souvenirs in Form von neuen Kleidern zulegen muss. Aber vielleicht erzähle ich der Reihe nach: In Flores hatte ich ein paar schöne Tage. Ich war in einem ziemlich zerfallenen Hotel (oder vielleicht einem, das noch nicht fertig gebaut ist) in welchem es neben mir nur zwei andere Gäste gab. Eine Deutsche und einen pensionierten Holländer mit traurigem Schicksal. Als ihm nach einer kinderlosen Ehe seine Gattin verstarb, entschloss er sich den Rest des Lebens mit Reisen zu verbringen, weil er nichts hatte, was ihn in Holland hätte halten können. Mit ihm führte ich verschiedene sehr spannende Gespräche, zumal er schon seit bald einem Monat im Hotel war. Die Deutsche hingegen begleitete mich auf verschiedene Tripchen. Zuerst sahen wir uns Tikal an. Wir waren um vier Uhr mit einem Nachtbus hingefahren und sahen auf einer Pyramide wie sich die glühende rote Sonne über den Urwald erhob. Im Hintergrund der Lärm der Brüllaffen. Näher waren kleine Tiere, die einem das Essen aus den Rucksäcken stahlen. Sah ein bisschen gefährlich aus... Und die Pyramiden, unglaubliche Schönheit, gut rekonstruiert (wenngleich die Holzteile sich in Basel im Museum befinden...) Ich war zu tiefst beeindruckt, wie ich dies erst in Machu Pichu war. Gegen mittag füllten sich dann die Tempelanlagen und verloren ihren Reiz. Wir gingen wieder zurück. Am nächsten Tag fuhren wir in ein Naturschutzgebiet. Dort wanderten wir ein wenig durch den Urwald (eine Schlange, die ich fotografieren wollte, liess vom Blitz erschrocken die fette Kröte los und wollte fast auf mich losgehen. Der Führer fand das lustig und meinte, dass sie nicht sehr giftig sei. Anschliessend gingen wir im nahegelegenen See baden, weshalb wir den letzten Bus verpasst. Kurz darauf wurde es dunkel und wir mussten in mitten des Urwaldes an der Strasse darauf warten, dass uns jemand wieder nach Flores mitnehmen würde. Nach ein paar Minuten kam ein alter, verbeulter Lastwagen, mit welchem wir wieder in die Stadt zurückkamen. Das war ein kleines Erlebnis und sehr spannend, weil wir nicht sicher waren, ob wir nicht im Jungle übernachten müssen.
Ein paar Tage später nahm ich mit der deutschen den Nachtbus nach Guatemala City. Das war nicht ganz ohne, weil die fünfzehnstündige Strecke grösstenteils nicht geteert war (aber in ein paar Jahren soll sich das ändern, das verspricht zumindest die Regierung). Zudem waren die Sitze für die kleinen Guatemalteken so eng, dass ich 15 Stunden meine Beine nicht ausstrecken konnte. Von Schlaf keine Spur. Aber als ich am nächsten Vormittag in Guatemala Stadt ankam, musste ich feststellen, dass jemand unterwegs mein Gepäck mitgenommen hatte. Irgendwie habe ich das auch erwartet, weil mir das Selbstbedienungssystem nicht sehr zugesagt hat, aber ich hatte keine Wahl ausser einen Erstklassbus zu nehmen. Danach ging ich gleich nach Antigua Guatemala weiter, wo ich mich wieder mit neuen Sachen eindeckte.
Antigua ist eine recht nette Stadt, doch ist es gefüllt mir Touristen wie kein zweiter Ort in Guatemala. Es hat den Ruf als Ort für guten und preiswerten Spanischunterricht. Deshalb sammeln sich hier die Leute bevor sie auf die grosse Zentralamerikareise gehen. Allerdings habe ich hier niemanden getroffen, mit wem ich wirklich klargekommen wäre. Deshalb bin ich nach zwei Tagen weitergegangen. Bemerkenswert ist allerdings das Preiswerte Internetangebot. Ich habe gehört, dass es hier deshalb am günstigsten sei, weil sich hier der einzige Einwahlknoten des Landes befände.
Tja und nun in Panajachel. Hier gibt es recht viel schräge Leute. Im Gegensatz zu Antigua, wo sich die Reiseneulinge sammeln, befinden sich in Panajachel eher die Leute, welche schon eine Weile unterwegs waren und irgendwo strandeten. Wenn man die wundervolle Umgebung betrachtet, dann kann man das auch verstehen. Auch die Leute mit ihren bunten Trachten gefallen.
Aber nun muss ich auch noch etwas anderes als den Bildschirm sehen...

gruss, oliver 

 

Oaxaca, 6.10.98

 

Hi Leute,

für alle, die es noch nicht anscheisst (upps, entschuldigt das Wort) gebe ich wieder einmal meine Koordinaten durch. Ich befinde mich momentan in Oaxaca, einem wirklich hübschen Kolonialstädchen. Das Wetter ist (weil Nachmittag) ein bisschen regnerisch, aber mit 25° eigentlich von der Wärme her sehr angenehm.
Morgen werde ich mir wieder einmal ein paar Steinhaufen (man nennt diese im Fachjargon Zona Archeologica de Monte Alban) und dann in ein paar Tagen weitersehen. Eine langsame Rückreise via Puebla und Xalapa ist geplant. Mal sehen...
Von Panajachel bin ich im Eiltempo durch den Norden Guatemalas gereist. Ich übernachtete nur einmal in Chichicastenengo und Quetzaltenango. Die Landschaft war wunderschön. Liebliche kleine Hügel. Allerdings war es mir nicht sehr wohl, weil ich gehört habe, dass diese Gegend gefährlich sei und das amerikanische Aussenministerium empfiehlt, diese Route nicht zu nehmen. Aber wir wissen ja alle, wie wenig diese amerikanischen Infos wert sind, deshalb nahm ich diese Route trotzdem. Passiert ist mir natürlich nichts, aber es war schon seltsam, wie wir an mehreren ausgebrannten Bussen vorbeifuhren. Ich fragte mich da immer, was wohl passiert war. Vor allem Quetzaltenango war eine recht schöne Stadt aber nachts unheimlich kalt. Ich traf hier oben keinen einzigen Touristen, was ich mit einer Mischung aus Wohlwollen aber auch Skepsis aufnahm. Am nächsten Tag über die Grenze nach Mexico zurück, wo mir der Döddel an der Grenze nur ein 10 Tage Visum gab, obwohl ich ihm erklärte, dass das Visum meiner ersten Einreise noch weiter mehr als 10 Tage gegolten hätte und dass mein Flugzeug in zwölf Tagen ginge. Nichts zu machen: ich solle das Visum irgendwo verlängern. Naja!
An übermässiger Militärpräsenz ging es durch den Chiapas nach San Christobal. Ein recht nettes Städtchen, wo ich mich mit der Rezeptionistin der Jugendherberge anfreundete und mit ihr Billard spielen ging. Einmal ritt ich sogar in ein nahegelegenes Dort. Obwohl ich furchtbare Angst auf dem Pferd hatte, trieb der Junge, welcher mitkam, das Pferd in den Galopp... zum Glück kann man sich dort oben am Sattelknauf festklammern.
Nach ein paar Tagen fuhr ich dann nach Oaxaca weiter. Es beginnt mich langsam zu beengen, dass ich nur noch etwas mehr als eine Woche habe und mir noch so viele Sachen gerne ansehen würde. Das schöne daran ist ja, dass man sich die Option offen hält, noch einmal zu gehen, wenn man nicht alles gesehen hat.

In dem Sinne, schönen Abend, oliver 

 

Xalapa, 12.10.98

Liebe Freunde,

nun bin ich halt wieder bei Hannes in Jalapa angekommen; dadurch fühle ich mich irgendwie heimisch: kein unangenehmes Gefühl.
Die Tage zuvor war ich in Oaxaca, wo es mir recht gut gefallen hat. Allerdings habe ich mir dort recht wenig (im Verhältnis) angeschaut. Insbesondere halt das im letzen Mail erwähnte Monte Alban, wo man an allen Ecken „echte Antiquitäten“ zu echt überrissenen Preisen kaufen konnte. Die Sachen wären ja eigentlich ganz schön gewesen, wenn sie einem nur nicht hätten angeben wollen, dass ihr Scheiss echt sei. Das besondere an dieser Tempelanlage ist, dass sie auf einem Berg liegt, dessen Spitze weiträumig abgetragen wurde, um oben eine grosse Fläche zu erhalten. Angesichts der Grösse ein sehr eindrückliches Unterfangen.
Der Grund, weshalb ich mir recht wenig angeschaut habe, war dass ich in einem Körperteil, das ich hier nicht näher umschreiben möchte, noch immer rechte Schmerzen hatte. Die kamen noch davon, dass ich mich im Chiapas zu einem Caballero gemacht habe. Das heisst, ich bin hoch zu Pferd in ein Indianerdorf geritten. Nur war das Problem dabei, dass es etwa 5km entfernt lag und ich die Strecke grösstenteils in der angeblich schlimmsten Gangart (dem Trab) zurücklegte, wobei ich bei jedem Schritt gegen den Sattel stiess. Ich werde nun wohl eine Weile nicht mehr reiten.
Ein anderes war, dass ich in Oaxaca dieses Mescal versucht habe. Das ist ein Schnapps, welchen hier alle trinken. Einen wirklich echten Mescal erkennt man an einer Besonderheit: es schwimmt ein Wurm drin, welchen die Kenner als das beste der ganzen Flasche bezeichnen. Nunja, den Wurm habe ich doch nicht versucht. Eines Nachmittages erzählte ich dem Typen von Hotel, dass ich einen komischen Magen hätte. Er meinte, er hätte was dagegen und holte eine Mineralwasserflasche unter der Theke hervor und schütte mir ganz wenig in einen Becher. Das solle mir die Magenprobleme nehmen, meinte er und schob mir den Becher zu. Ich nahm einen Schluck und starb dabei fast. Als ich ihn fragte, gab er an, dass dies 80%iger Schnapps gewesen wäre. Aber es hatte seinen Zweck nicht verfehlt. Mit brannte danach der Hals so, dass ich mir über den Magen keine Gedanken mehr machte.
Gestern war ich noch in Puebla. Dort habe ich in einem CD-Laden eine Studenten kennengelernt, der mich zu einem Gothic-Literatur-Zirkel mitgenommen hat. Dort lasen sie zum Klang von Lacrimosa Edgar Allan Poe. Ich musste sogar vor den etwa 15 Leuten eine kleine Rede auf Spanisch halten (war über mich selbst erstaunt, dass ich das hinbekam) und deutsche Gedichte vorlesen, die sie so wundervoll grausam fanden. Mit einem von ihnen, der Germanistik studierte (aber keinen deutschen Satz rausbrachte, doch die ganze Grammatik intus hatte), disktuierte ich die halbe Nacht über Nietzsches Ansicht zum Willen zur Macht und über Musik. Als ich dann um sechs Uhr früh ins Hotel kam, hatte der Portier nicht gerade Freude an mir.
Ihr seht also, dass es mir hervorragend geht und dass ich viel erlebe. Traurug stimmt mich nur, dass ich schon bald wieder heim muss.

viele Grüsse, Oliver 

 

Mexico D.F., 18.10.98

Liebe Leute,

ich befinde mich wieder in Mexico City, wo ich die letzten Tage recht untätig verbrachte. Grösstenteils war ich in meinem Hotelzimmer und las Bücher, welche ich mir in Mexico grossartigen Antiquariaten kaufte. Es ist erstaunlich, dass es in Mexico eine Strasse gibt, an der ein Antiquariat neben dem andern steht und die sogar beinahe antike deutschsprachige Bücher verkaufen. Aber die Stadt habe ich mir trotzdem angesehen. Intessant war das Haus Trotzkijs, welcher hier vor ein paar Jahren von Stalins Agenten mit einem Eispickel ermordet worden war. Davor befindet sich übrigens ein Museum für Jugendkultur, wo höchst seltsame Sachen ausgestellt wurden. Die grösste Enttäuschung waren jedoch die Schwimmenden Gärten von Xochimilco. Wenn ich gewusst hätte, was mich dort erwartete, wäre ich nie dort rausgefahren. Aber im grossen und ganzen gefällt mir die Stadt recht gut. Schöne alte Häuser und Kirchen prägen das Stadtbild. Mit der modernen Ubahn findet man sich überall zurecht und dass man sich in der grösste Stadt der Welt befindet, das merkt man höchstens an der Luft, die wirklich nicht sehr viel taugt.
Nachher werde ich mir noch die Ruinen von Tenochtitlan anschauen, damit wäre dann meine Reise beendet, denn am Abend muss ich mich wieder auf den Flugplatz begeben, weil dann mein Flugzeug geht.
Viel mehr muss ich nun nicht mehr erzählen, da wir uns ja bald wieder sehen.

liebe Grüsse, oliver  

 

Guatemala (Fortsetzung)

Wandern im Jungle

Sonnenaufgang in Tikal

Der Peten Itza See

Antiqua Guatemala

Mexico

Kinder in San Christobal

Ich reite...

Hannes und Fabienne zuhause

Tenochtitlan

Massentourismus auf den Pyramiden