Meine Zentralamerikareise

Xalapa, 10.9.98

 Liebe Leute,

 ich bin nun erst seit ein paar Tagen in Mexico, aber ich denke doch, dass die Zeit gekommen ist, um einen ersten Bericht abzuliefern. Vorausschicken muss ich, dass das Mexicobild von einer h√§sslichen Hauptstadt und lauter W√ľste mit Tequilla trinkenden Sobrerotr√§gern vollkommen falsch ist. Mexiko ist eine im Vergleich zu Lima wohlgeordnete Stadt. Allerdings muss ich auch gestehen, dass ich mich nur sehr kurz in Mexiko Stadt (D.F. wie die Leute sie hier zu nennen pflegen) war. Am ersten Abend suchte ich mir irgendwo im Herzen der Stadt ein Hotel. Dabei half mir eine h√ľbsche, junge Mexikanerin, welche ich vor wenigen Tagen in einem mexikanischen Chatkanal kennengelernt habe. Wie wir dann zusammen in einem Fastfoodrestaurant in der N√§he des Zocalos (hier etwas Geschichte: ein alter mexikanischer Pr√§sident liess sein Bildnis in allen St√§dten aufstellen. Etwa so √§hnlich wie k√ľrzlich Michael Jackson f√ľr seine HIStory-Tour... Die Statuen kamen weg, aber die Pl√§tze werden immer noch nach den Sockeln der Statuen benannt. Der Zocolo ist dann auch in allen St√§dten das absolute Zentrum) sassen, stellte ich fest, dass mein Spanisch doch sehr viel mehr eingerostet ist, als ich das urspr√ľnglich erwartet habe. Aber einen lustigen Abend hatten wir trotzdem. Am n√§chsten Morgen liess ich mich von einem Taxifahrer √ľbers Ohr auen, aber zu einem etwas teureren Preis brachte er mich doch noch zum Busbahnhof. Von dort aus ging ich nach Xalapa (oder Jalapa, die Leute hier sind sich nicht sehr einig, wie sie ihre Stadt richtig schreiben sollen). Hier wohne ich bei einem Austauschstudenten und erlebe ein bisschen etwas vom mexikanischen Unialltag. Ich war auch schon mehrmals an der Uni. Einmal besuchte ich sogar eine arch√§ologisch-ethnologische Vorlesung. Ich konnte dem Unterricht nur sehr schwer folgen, aber gewisse andere Beobachtungen pr√§gten sich mir viel mehr ein: die H√∂rs√§le sind sehr klein und die St√ľhle portabel. Wenn also eine Stunde beginnen soll, dann m√ľssen sich zuvor alle Studenten irgendwo in der Uni einen Stuhl holen (und es hat scheinbar zu wenig) und den im engen Raum aufstellen... Daf√ľr scheint eine gute Stimmung zu herrschen. Das angegliederte arch√§ologische Museum ist auch √§usserst spannend. Vor allem, da mich Hannes (jener Arch√§ologiestudent, bei dem ich wohne) mit einer sehr fachkundigen F√ľhrung begl√ľckte. Ich glaube, ich verbrachte noch nie eine so intensive und spannende Zeit in einem Museum. Ihm sei dank.
Heute nachmittag geht es dann nach Varacruz weiter.

gruss, oliver

 

Merida, 16.9.98

Hi Leute,

ich hoffe, euch allen geht es recht gut; denn dann könnt ihr euch viel leichter vorstellen, wie es mir geht: nämlich gleich! Momentan befinde ich mich in Merida, einer Stadt auf der Yukatanhalbinsel. Bis ihr das auf der Karte gefunden habt, erzähle ich einmal, was mir inzwischen alles widerfahren ist.
Von Xalapa bin ich nach Veracruz gefahren. Dort habe ich in einem ganz edlen f√ľnf Sternehotel gewohnt. Habe mir gedacht, dass ich f√ľr den Preis einer Schweizer Jugendherberge kaum mehr in ein so edles G√§stehaus kommen werde. Veracruz selbst ist eigentlich ganz nett, aber hat mir nicht so √ľberm√§ssig gefallen. Deshalb zog ich gleich nach Villahermosa weiter. Damit hatte ich einen neuen Wetterwandel gemacht: vom kalt-nassem D.F. √ľber das warm-nasse Xalapa nach dem heiss-feuchten Villahermosa. Diese Stadt ist das beste Beispiel, wenn man erkl√§ren sollte, was ein Euphemismus ist. Wenn man ihren Namen √ľbersetzt, dann heisst das soviel wie h√ľbsche Stadt. Auf so eine Bezeichnung kann eigentlich nur der Fremdenverkehrverein kommen... jedenfalls widersprach diese Bezeichnung den tats√§chlichen Verh√§ltnissen ziemlich diametral. Das einzige Sehenswerte, n√§mlich ein Freilichtmuseum habe ich verpasst. Daf√ľr bin ich dann ganz schnell nach Palenque gefahren. Ohja und das ist ein wundervoller kleiner Ort im Chiapas. (Anekdote: in ein paar Tagen sind im Chiapas Lokalwahlen. Einer der Kandidaten heisst Hitler. Das f√ľhrte dazu, dazu dass an verschiedenen Orten W√§hlt Hitler geschrieben stand. Einem angehenden Historiker kommt so was nat√ľrlich sehr schr√§g vor). Ich wohnte in der allernettesten Gesellschaft von einer √ľberm√§ssig heiratswilligen Rezeptionisten (nachdem sie mir sagte, dass sie mich heiraten wolle, wurde sie jedes Mal rot, wenn ich den Schl√ľssel wollte. Dass ich sie nach jenem Gest√§ndnis ausgelacht habe, das tut mir ja heute leid) und diversem Ungetier zusammen. Die Ruinen, nach denen dieser Ort benannt sind, sind im h√∂chsten Masse eindr√ľcklich. In meiner Gefallenshierarchie konnte es zwar Machu Pichu noch nicht schlagen, aber kam doch in die N√§he. Nach ein paar Tagen relativen Alleinreisens war ich recht froh, in einen Ort zu kommen, wo es jede Menge Travellers gab.
Via Campeche, einem sehr schönen Ort, wo ich aber leider nur einen Tag blieb, ging ich nach Merida weiter. Ja, und Merida hat mich ziemlich hingehauen. Ich lebe in einem sehr zentralen Hotel und habe ganz viele nette und interessante Menschen kennengelernt. Spannend war vorallem die Begegnung mit einer deutschen Archäologiestudentin. Man muss wissen, dass Merida neben Mexico D.F und Jalapa die wichtigsten archäologischen Unis bietet. Dann war da noch eine eigenartige Spanierin, die mit ihrem argentinischen Freund herumreiste und der ich offensichtlich recht gut gefiel, aber hier kommen wir in einen Bereich, den wir besser nicht anschneiden.
Die Stadt ist recht sch√∂n. Es gibt hier eine Prachtstrasse, an welcher riesige wundersch√∂ne Kolonialbauten stehen. Eines davon ist sogar zu verkaufen. Habe mich leider nicht nach dem Preis erkundigt, da ich davon ausging, dass ich es mir eh nicht w√ľrde leisten k√∂nnen. Und √ľberall gibt es wundervolle Fruchts√§fte. Bei so vielen Vitaminen wie ich heute trank, werde ich wohl mein ganzes Leben nie mehr krank werden. Ausserdem war ich vorhin in einem chinesischen Restaurant. Allerdings habe ich dabei nicht bedacht, dass es nur halb chinesisch ist und sich in dem Reis gut getarnt ganz viele feurige Chilis verstecken (jaja, die Mexikaner verstecken die √ľberall, neulich hatte ich sogar zwei ganze Chillis auf einem Schinkensandwich). In dem Moment, als ich den ersten Bissen nahm, begann es zu regnen. Nun weiss ich nicht genau, ob der Anstieg der Luftfeuchtigkeit damit zusammenhing, dass meine Augen so feucht wurden....

hasta luego, oliver 

 

Flores, 23. 9. 98

Guten Abend zusammen,

ich befinde mich hier in Flores in Guatemalas Urwald in der N√§he von Tikal. Gestern war das Wetter hier so schrecklich, dass sie Probleme mit ihren Telefonleitungen haben. Anscheinend funktionieren diese Kupferleitungen nur noch ganz selten, deshalb schreibe ich dieses Mail auch von einem festen Account aus. Also antwortet nicht hierher, sondern an meine √ľbliche.
Gestern bin ich von Belize mit einem Bus durch den Jungle hierher gefahren. Die Fahrt war sehr lustig, da ich einen dieser ganz billigen Zweitklassbusse genommen habe, welcher in jeder Kurve auseinanderzubrechen drohte. Und √úberfallen worden bin ich auch nicht...
Belize war ein sehr eigenartiges Land. An allen Ecken fand man Schwarze, welche Drogen verkaufen wollten. Wenn man diese dann nicht kaufen wollte, dann haben sie sie einfach selber genommen. Folglich war die ganze Insel immer ein bisschen high. Das war aber eher lustig. Allerdings bin ich nur sehr kurz in dem Land geblieben, weil alles so unglaublich teuer ist. Also etwa so wie bei uns in der Schweiz. (Vor allem im Vergleich zu meinem drei Franken Hotel, dass ich hier in Guatemala mit einem deutschen Knasti teile und der mit Fieber im Bett liegt und mir nicht glauben will, dass es Malaria haben k√∂nnte). Auf Caulker Caye, jener Insel an der Karibikk√ľste von Belize habe ich eine eindr√ľckliche Schnorcheltour gemacht. Vor Belize befindet sich da zweitgr√∂sste Barrierriff der Welt. Die Unterwasserwelt ist dort so reichhaltig wie in den Taucherfilmen, die wir aus dem Fernsehen kennen. Es gab dort sogar Haie, die aber aber nicht gef√§hrlich sein sollen. Einen habe ich sogar gestreichelt, als ihn unser Schnorchelf√ľhrer hielt. Die Haut des Haies f√ľhlte sich wie Schmirgelpapier an.
Das schlimmste was ich von Belize gesehen habe, was Belize-City, denn dort ist die Kanalisation oberirdisch, weshalb die ganze Stadt zum Himmel stinkt. Das erinnerte mich daran, wie es in Basel gewesen sein muss, als es den Birsigkanal noch nicht gegeben hat. In der alten Hauptstadt blieb ich aber nur kurz, da ich nur schlimmes gehört habe: zwei grosse Schwarze sollen einem die Stadt zeigen wollen und wenn man diesem entgeltlichen Angebot nicht folge leisten will, wird man ziemlich heftig dazu genötigt.
Und nun hier, mitten im Urwald an einem kleinen See (Peten Itza) ist es unheimlich heiss und dr√ľckend. Ein Typ meinte hier, dass es um die 45¬į werden w√ľrde. Dass es so heiss ich, glaube ich zwar nicht, aber es ist schon heftig. Deshalb kaufte ich mir eine jener Vier-Liter-Mineralwasser-Flaschen, die es hier gibt. Ich denke die werde ich brauchen k√∂nnen. Heute habe ich mir √ľbrigens die erste kleine Magenverstimmung geholt. Aber das Immodiump√§ckchen liegt immer noch unangetastet.
Weiter gibt es nichts Neues zu berichten. In den n√§chsten Tage werde ich nach Tikal fahren, was ich mir ganz unbedingt noch ansehen m√∂chte. Ausserdem gibt es irgendwo noch ein Naturschutzgebiet, das auch ganz eindr√ľcklich sein soll. Wo ich danach hingehe, das muss ich noch sehen und h√§ngt vom Strassenzustand ab. Die sind hier n√§mlich durch den Urwald nicht asphaltiert und somit w√§hrend der Regenzeit teilweise nicht passierbar. Es gibt aber verschiedene Strassen und zudem noch eine Flugverbindung.

Also bis bald einmal und alles Gute, oliver 

Mexico

Veracruz

Strandweg von Campeche

Palenque

Chichen Itza

Uxmal

Belize

Belize City

Weg in Caulker Caye

Haie

Guatemala

Unwetter √ľber Flores