Reisetips, Reiseberichte und Reiseinformationen zu Japan, China, Korea, Indien, Iran und weiteren Ländern.

1.10.2000 aus Vang Viang

 Hallo ihr allen,

 ich wollte mich mal wieder aus den nördlichen Gefilden, in denen ich mich gerade aufhalte (Nordlaos - bis China ist es nur ein Katzensprung), melden. Hier ist alles gut. Inzwischen hat auch der Regen wieder nachgelassen und es ist schön warm und sonnig. Der Ort, wo ich gerade bin nennt sich Vang Vieng und ist ganz nett. Hat vielleicht 5000 Einwohner und in etwa gleich viele Touristen wie in Vientiane, nur sieht man sie hier besser. Die Gegend um mich herum ist eine bizarre Bergfelsengegend mit einem Fluss, in dem man baden kann und auf Gummireifen runterfahren kann. Doch was ist inzwischen geschehen?
Nach zwei Tagen in Vientiane wollte ich nach Lao Pako, einem künstlichen Naturreservat. Da Nifty manchmal ein bisschen ein Hänger ist, ging ich halt ohne ihn. Dort verbrachte ich zwei Tage in absoluter Ruhe, da neben mir nur noch zwei deutsche Schwestern und am folgenden Tag eine Amerikanerin mit ihrer japanischen Reisegefährtin in dem Reservat waren. Immerhin machten wir ein paar Ausflüge mit den bremsenlosen Fahrrädern, die es hier an allen Ecken gibt und besuchten ein kleines Dorf. Das war recht lustig, weil überall wo wir durchfahren, riefen alle sabati (hallo auf Lao), manche die ein bisschen Englisch konnten riefen auch byebye als wir kamen oder Good Morning (unabhängig von der Tageszeit). In einem der Dörfer aßen wir dann eine Suppe. Kaum hatten wir uns hingesetzt, rannten alle Kinder weg. Nach ein paar Minuten kam der Lehrer, der ein paar Wörter englisch sprach und setzte sich wichtig zu uns. Als wir mit unserer Suppe fertig waren, standen etwa 20 Erwachse und noch etwa 30 Kinder um uns, die uns beim Essen zusahen und als wir schließlich gingen, war ein riesiges sabati-byebye-good-morning-geschrei. Aber davon abgesehen war in Lao Pako nicht viel los. Witzig sind hier auch die Busfahrten. Auf dem Weg nach Lao Pako saß ich neben einer Laotin. Da zückte ich natürlich mein Phrasebook und unterhielt mich mit ihr auf Lao. Dummerweise sind die Konversationssätze ziemlich beschränkt, so dass ich sie halt auch fragen musste, ob sie verheiratet sei und dass ich das halt nicht sei. Na ja, das war wohl ein Fehler, weil sie dann die ganze Fahrt haendchenhalten, sich an mich kuscheln und mich überzeugen wollte, dass ich sie mitnehmen sollte. Durch die im Bus herumspringenden Froesche der alten Dame der Sitzbank weiter vorne ließ sie sich nicht stören. Meine absolute Lieblingsszene ist es allerdings, wenn der Bus nach genau zwei Stunden auf offenem Feld anhält, alle Leute aus den Bussen strömen und ihre Notdurft verrichten...
Danach verbrachte ich wieder einen Tag in Vientiane, hatte mich aber inzwischen der Amerikanerin und der Japanerin angeschlossen, das wir drei ein hervorragendes Paar abgaben und es allgemein immer recht lustig hatten. Mit ihnen bin ich nun auch in Vang Vieng und wir ziehen schon seit bald fünf Tagen zusammen durch die Gegend. Inzwischen hat sich eine zweite Japanerin und Nifty mit einem Freund zu uns gesellt, so dass wir nun zu sechst ein hervorragendes Quintett bilden. Die Leute im Ort hier haben ihre Freunde an uns, da es mit uns immer am lustigsten ist. Dafür bauen wir überall ein großes Chaos, besonders wenn wir in den Restaurants bestellen oder bezahlen wollen. In letzter Zeit machten wir uns den Spaß komische Sachen zu bestellen wie zum Beispiel gebratene Suppe. Die Leute hier sind so nett und versuchen dann ihr bestes, um die Suppe wirklich zu braten.
Heute geht es mir allerdings nicht so gut. Vorgestern hatten wir eine Höhlenexpedition unternommen und ich bin (weil der Führer halt meinte, wir sollten Schuhe mitnehmen, bei denen es keine Rolle spielt, wenn sie nass werden) in Badeschlappen drei Kilometer in eine Höhle hineingeklettert. Bin natürlich ein paar Mal ins Wasser gefallen, dabei habe ich auch meine (nun weiß ich, dass sie wasserdicht war) Taschenlampe verloren. Doch die Höhle war wirklich erstaunlich und die ganze Expedition sehr abenteuerlich: wir mussten immer mal wieder durch kleine Seen schwimmen, wenn das Wasser zu hoch war. Dabei erloschen dann die Kerzen und wir waren so ziemlich im dunkeln. An den Wänden gab es immer mal wieder Giftspinnen, die "nur" drei Monate krank machen, wie der Führer erzählte. Anschließend rafteten wir auf dem Gummireifen den Fluss runter. Da wir aber wegen unseren schlechten Schuhen zu lange in der Höhle waren, konnten wir auf dem Fluss den Sonnenuntergang beobachten. Das war zwar schön, hatte jedoch zum Nachteil, dass wir den Rest der Fahrt im dunklen waren. Unser Führer hatte gute Augen und rief uns immer leftleft oder lightlight zu. Wir fanden das lustig, dass hier alle immer alles zwei Mal sagen und amüsierten uns darüber, bis er boatboat rief. Wir, die wir das Boot nicht sahen, riefen in guter Laune shipship zurück und dann krachte es... sind ein bisschen nass geworden, aber was soll’s.
Morgen wollen wir noch einen Berg beklettern, aber diesmal ohne Führer, weil der Weg gut sichtbar sein soll. Am Montag oder Dienstag geht es dann nach Luang Pra Bang und schließlich hinüber nach Thailand.

Bis bald einmal, Euer alle Knochen und Muskeln spührender Oliver

 

8.10.2000 aus Chiang Rai

 Hallo zusammen,

 ich habe nun wieder thailändischen Boden unter den Füssen. Doch diesen Boden musste ich mir sehr schwer erkämpfen, da auf der laotischen Seite plötzlich keine Strasse mehr existierte. Doch vielleicht sollte ich meine Geschichte von dort aus weiter erzählen, wo ich aufgehört habe, nur weiß ich nicht mehr genau, wo das war. Wenn ich mich aber richtig erinnere, habe ich eines Morgens (während ich auf das Aufwachen meiner werten Freunde wartete - keiner mag das glauben, aber ich war als erster wach! ) ein langes Vang Vieng Mail geschickt. Anschließend habe ich mit Mio einen Lastwagenreifen gemietet und wir sind im nahen Fluss alleine gerafftet. Als dann Jennifer, Nifty und Mika zu uns kamen mieten wir einen zweiten Reifen und gingen 4 km aufwärts. Das Mieten des Reifens war gar nicht so einfach, weil die gute alte Laotin meinte, dass man nicht zu fünft auf einem Reifen sitzen könnte. Wir lachten und antworteten, dass wir zu fünft ja 2 Reifen hätten. Dieses Argument überzeugte sie zwar nicht, aber immerhin wollte sie uns daraufhin ihre Schwimmwesten und einen Taxifahrer verkaufen. Da wir die gleiche Strecke ein paar Tage vorher mit Führer gemacht hatten, glaubten wir schon bescheid zu wissen und charterten ein anderes Taxi, ein billigeres. Der missverstand den Ort wohl ein wenig, so dass wir an einem Ort wasserten, wo der Fluss tatsächlich nicht ganz so ruhig war, resp blieb. Nach etwa fünf Minuten fielen wir alle bei den Stromschnellen ins Wasser, Mika verlor ihr Bier, von dem sie versprochen hatte, dass sie die Flasche zurückbrächte. So trieben wir neben dem Schlauch durch das Wasser. Am nächsten Felsen konnte ich uns anhalten (die Strömung war nicht so stark, dass es gefährlich gewesen wäre, aber stehen konnte man schon nicht mehr)  bis ich mit Panik feststellte, dass der ganze Felsen mit Spinnen vollgepackt war. Ich ließ also wieder los und wir trieben auf den nächsten Felsen zu, wo ich dagegen prallte und die anderen ins ruhige Wasser kamen. Immerhin stand ich nachher auf einem Felsen, auch wenn ich nicht genau weiß, wie ich das getan habe und hatte sogar noch meine Badeschlappen an. Bis auf eine Sammlung blauer Flecken und ein paar Kratzern habe ich mich allerdings nicht verletzt. Wir brauchten dann wieder eine rechte Weile, um ins Wasser zurück zu kommen, so dass es inzwischen eindunkelte. Doch die wilde Stelle war vorbei und wir fuhren dann die Strecke im dunkeln runter, die wir ein paar Tage vorher gesehen haben. Immerhin konnten wir James überzeugen, dass er etwas verpasst hatte.
Vielleicht ist es nun einmal Zeit die Leute vorzustellen: Nifty: nun ihn kennt ihr schon. ein Australier, den ich in Malaysia kennengelernt habe. Seine spezielle Eigenart ist es, dass er sehr undeutlich spricht und dadurch immer megamässig gestoned wirkt, obwohl er normalerweise höchstens mittelmäßig gestoned ist. Ihn schicken wir immer zum Verhandeln, auch wenn die Leute dann angeblich anschließend mit Gewehren kommen. Er hat diese eigenartige friedfertige Aggression, mit der er alle zum kochen bringen kann.
Jennifer ist eine dreißigjährige Amerikanerin aus Silikon Valley. Sie macht aus allem Wortspiele und presst jede Erfahrung in ein Gedicht oder einen Songtext, den ich dann mit Nifty zusammen singe.
Mio ist ein ganz spezielle Japanerin. Sie reist die ganze zeit in der Gegend rum und benutzt die Wortpaare funny - dangerous und happy - dirty als Synonyme. Man kann mit ihr sehr viel Spaß haben. Sie ist auch eine erfolgreiche Verhandlerin. Sie geht in den Market, setzt sich vor ein paar Schuhe und sagt tausend Mal "10000kip, okay?", bis diese armen Laoten nach ein bis zwei Stunden die Geduld verlieren und ihr die Schuhe mehr oder weniger schenken. Das bezeichnet sie übrigens auch als funny.
James ist ein Engländer, der einen so seltsamen Dialekt spricht, dass ihn keiner versteht, nicht einmal er sich selber. Deshalb kann ich über ihn auch nichts sagen.
Nachdem ich Vang Vieng fast eine Woche blieb, ging ich mit Mio, James und Jennifer nach Luang Prabang. Nifty musste zuerst noch einen Tag meditieren, um dann zu würfeln, ob er zu uns kommen sollte, oder zurück nach Vientiane, um das Visum zu verlängern. Dort blieben wir drei Tage. LP ist eine wunderschöne Ortschaft mit 20000 Einwohnern, netten Leuten und fast keinem Verkehr. Das beste war unser Guesthouse. Obwohl wir nur knapp 2 Franken pro Person zahlten, wurden wir reichlich mit Essen und Trinken beschenkt. Ich kann mir kaum vorstellen, dass sich das ganze für sie gelohnt hat, doch sie hatten eine Menge Spaß mit uns. Jedenfalls stellte sich in LP heraus, dass es von dort zur thailändischen Grenze keine Strasse gibt (oder nur eine, bei der man die chinesische Grenze streifen muss). Aber dafür kann man in zwei Tagen die knapp 300km den Mekong raufschiffen, war wir dann auch taten, weshalb wir uns leider von Mio, die nach funny China ging, verabschieden mussten. Die Fahrt war eigentlich recht schön, aber nach zwei mal 10 Stunden auf dem Fluss, ist man schon froh, endlich einmal wieder in einen anständigen Ort zu kommen (der dann allerdings weit mehr schaukelte als er der schwimmende Seelenverkäufer je tat).
Heute sind wir dann schließlich in Chiang Rai angekommen. Morgen werde ich mit James eine Töfftour an das goldige Dreieck (das nur 70km von hier ist) machen, wahrend Nifty und Jennifer schon einmal Chiang Mai auskundschaften gehen. Was wir heute Abend machen, wissen wir noch nicht. Das klassische Touriprogramm wäre es, hier ein paar Kinder zu schänden, da dieser Platz als Hochburg des Sextourismuses Pädophiler bekannt ist. Doch denke ich, werden wir uns in ein gutes Restaurant setzen und den leiblichen Freuden auf diese Weise begegnen.

Liebe Grüße von Fat-Oliver

 

18.10.2000 aus Bangkok

 Hallo liebe Leute,

 

jetzt, da sich meine Reise dem Ende zu neigt und ich wieder in Bangkok und mehr oder weniger auf den Rückflug warte (dabei natürlich die wenigen restlichen Tage noch nutze, um mir all die Kultur reinzuziehen, die ich in den letzten Wochen verpasst habe), finde ich auch wieder einmal Zeit zu beschreiben, was ich die letzten Tage so getrieben habe.
Nun nach Chiang Rai (am Abend habe ich dort auf dem Night Market einem thailändischen Bob Dylan zu gehört) habe ich einen Motorradausflug ans goldige Dreieck unternommen. Das war früher einmal eine gefährliche Gegend, wegen des Opiumschmuggels. Doch heute haben die Leute erkannt, dass sie mehr Geld verdienen können, wenn sie den Touristen die Gelegenheit geben, sich vor einem Schild (Aufschrift GOLDEN TRIANGLE) ablichten zu lassen. Anschließend können sie ihnen dann das überaus interessante
Opiummuseum zeigen (man erfährt dort im übrigen, dass Opium eigentlich gut sei, wenn man es richtig anwendet - ist in etwa so wie bei uns mit den Hanfshops). Vielleicht kann man dem einen oder anderen Touristen auch etwas verkaufen und das alles schließt ja das Schmuggeln nicht aus. Aber wenn man mit dem Motorrad dort durchfährt, sieht man von dem allem nicht sehr viel. Es ist einfach eine schöne Gegend. Zum Glück waren auf dem Weg noch ein paar Ruinen, die ich mit James besichtigte.
Dann gingen wir nach Chiang Mai. Diese Stadt wird auch Perle des Nordens genannt. Keine Ahnung, wer sich diesen Namen ausgesucht hat - ich fand ihn auf keinen Fall zutreffend. Ich würde ihn eher Little Bangkok nennen und meine damit nichts besonders positives. Um dem Lärm bisschen aus dem Weg zu gehen, mussten wir ein Guesthouse ziemlich außerhalb nehmen. Wenn wir dann Abends durch die Gassen liefen wurden wir ständig von irgendwelchen Prostituierten angemacht. Wir konnten am zweiten Abend immerhin eine Kneipe finden, wo wir unsere Ruhe davor hatten und trotzdem gute Livemusik hören konnten. Immerhin gibt es in Chiang Mai viele schöne Tempel, von denen ich den einen oder anderen besichtigte. Aber nach ein paar Wochen in einem buddhistischen Land, hat man die Wats ein bisschen gesehen.
Dann ein Ausflug nach Pai. Das ist ein ganz süßer Ort. Sehr klein. Eigentlich ist es nur eine erweiterte Kreuzung und ein paar Bungalows am Fluss. Neben der schönen Landschaft ist dieser Ort ein guter Ausgangspunkt für Trekkings. Man kann in drei Tagen zu den Langhalsfrauen, diese begaffen und fotografieren und wieder zurück kommen. Das eigentlich heikle an dieser Zootour ist, wie diese Frauen "gehalten" werden. Da der Stamm der Langhalsfrauen eigentlich aus Myanmar kommt und auch dort lebt, musste bis vor ein paar Jahre die Leute nach Burma rüber um das zu sehen. Nun haben ein paar pfiffige Unternehmer die Idee gehabt, dass man die Frauen eigentlich nach Thailand schmuggeln könnte, weil man dort ein besseres Geschäft machen kann. Diese Leute haben dann ein Dorf gebaut und jede Trekkinggruppe, welche in diesen Ort geht, muss ein Eintrittsgeld zahlen. Den Frauen wurden die Papiere abgenommen, weil sie sich für ein paar Jahre verdingt haben. Dieses Wissen ließ es mich dann verzichten, eine solche Tour zu unternehmen. Dafür genoss ich die schöne Natur um Pai herum.
Doch nach drei Tagen hatte ich genug und trennte mich endlich wieder von den anderen. Via Chiang Mai ging ich südlich nach Sukhothai. Das ist die erste Hauptstadt des Siamreiches, des früheren Thailands. Die neue Stadt ist zwoelf Kilometer von der alten entfernt und hat angeblich nicht viel zu bieten. Mir gefiel es aber, weil es einer der ersten Ort in Thailand war, wo ich das Gefühl hatte, dass die Leute freundlich sind und nicht einfach was verkaufen wollten. Außerdem gab es eine Handvoll guter Restaurants und einen sehr lebendigen Nachtmarkt. Die alten Ruinen sind jedoch beeindruckend. Ich bin einen ganzen Tag an diesen alten Gebäuden vorbeigestiefelt und hatte meine Freude daran. Dann nahm ich den Nachtbus nach Bangkok.  Von Bangkok habe ich ja schon erzählt. Wirklich gefallen tut es mir immer noch nicht, aber es hat seinen Reiz. Immerhin konnte ich, nachdem ich um viertel vor drei nachts ankam und in einem Straßenrestaurant frühstückte, einen öffentlichen Bus ins Zentrum nehmen - das hat mich schon beeindruckt. Nun muss ich noch herausfinden, ob die öffentlichen Verkehrsmittel rum um die Uhr fahren.
Meine restlichen drei Tage bleibe ich in Bangkok. mehr oder weniger. Heute gehe ich ein bisschen shoppen. Morgen wollte ich nach Ayutthaya, der zweiten Hauptstadt Thailands und dann noch eine Ortschaft im Süden, wo es eine 130m hohe Stupa gibt, welche dann laut einem französischen Reiseführer die größte Asiens (wieso eigentlich nicht der Welt - gibt es außerhalb Asiens irgendwo sonst noch Stupen?) sein sollte.

In dem Sinne, bis bald.

Oliver vor Or
t

 

Vang Viang

Überlandbus

grosser Schmetterling

Am Fluss...

Dirty, happy Japanese und ich

Jennifer und Mio in Luang Prabang.

wieder in Thailand

goldiges Dreick

Tempel in Chiang Mai

Nifty

Tja... wer wohl?

Mein Lieblingstempel

Die alte Hauptstadt

Abendstimmung in Bangkok